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  Das Universitäts-Museum
 

Es gibt in Deutschland keine Universität aus der Zeit des Barock und der Aufklärung, die so vollständig erhalten ist wie die ehemalige Altdorfer Universität. 

Dies gilt sowohl für das Gebäudegeviert, für den Universitätshof mit dem Athene-Brunnen, für einige Räume, Einrichtungen und Instrumente und vor allem für eine große Zahl von Büchern, Handschriften und zeitgenössischen Illustrationen. 

Im Haus des Museums in der Nähe des ehemaligen Universitätsgebäudes war einst eine der beiden Universitätsdruckereien untergebracht. Hier wurde zum Beispiel 1613 der prachtvoll illustrierte Pflanzenkatalog "Hortus Eystettensis" gedruckt. Und in den Räumen des Erd- und Obergeschosses wird nun an die einst berühmte Nürnbergische Universität Altdorf erinnert. Hier werden die verschiedensten Aspekte einer alten Hochschule präsentiert. 

Zunächst wird über die Geschichte dieser Hohen Schule informiert anhand verschiedenster Urkunden und Ansichten. Der erste Stadtplan von Altdorf wird gezeigt, der 1575 anläßlich der Einweihung des Gymnasiums gemalt wurde, ein Grundriß von 1811, der sehr genau die Nutzung der verschiedenen Räume der ehemaligen Universität erklärt, und Dokumente aus dem 30-jährigen Krieg. Und aus den unterschiedlichsten Anlässen entstandene Gedenkmedaillen und Festschriften. 

Im Mittelpunkt dieser Abteilung steht eine Abformung der wunderbaren Brunnenfigur der Pallas Athene, der Beschützerin der Wissenschaften, von Georg Labenwolf aus der Zeit um 1585. Sie zählt zu den schönsten Kunstwerken der Nürnberger Renaissanceplastik. 

Sehr wichtig sind auch die Organisation und der Aufbau der Altdorfer Universität. Die oberste Behörde waren die Kuratoren oder Scholarchen der Reichsstadt, dann folgen in der Hierarchie der Rektor, die Dekane der vier Fakultäten, der Senat bzw. die Professorenschaft und die Studenten. Hier sind die Matrikel, in die sich jeder neue Student einschreiben mußte, die Protokolle der Senatssitzungen über Disziplinarfälle u.a. und ein schöner Aktenschrank der Universität zu sehen. Wallenstein undLeibniz, die beiden berühmtesten Studenten Altdorfs, werden in diesen Handschriften erwähnt. 

In überaus bunten Farben wird das damalige Studentenleben geschildert. Natürlich wird in den Illustrationen der Stammbücher der raufende und saufende Kommilitone häufiger dargestellt als der ordentliche. Wohin das Lotterleben führen kann, zeigt das Bild eines "Bettelstudenten" mit der Überschrift "Niemals Bargeld, immer zerrissene Hosen". Universitätsgesetze sollten das Leben der Studenten regeln. 

Den herausragenden wissenschaftlichen Leistungen der kleinen Hochschule ist eine weitere Abteilung des Museums gewidmet: Um 1600 wurde hier von den Mathematikern Johannes Praetorius und Daniel Schwenter der Meßtisch erfunden, mit dem man maßstabsgetreue Landkarten zeichnen kann. Nach der Bauanleitung von 1618 wurde der Meßtisch erstmals wieder rekonstruiert! Außerdem sind hier viele kleinere Erfindungen gemacht worden, wie z.B. der Schwimmgürtel und die Füllfeder. 

1676 schafft Johann Christoph Sturm die Grundlagen der Experimentalphysik. Zum Beispiel zeigt er ein Luftschiff, das an luftleeren Kugeln nach dem Prinzip des Auftriebs schwebt, oder das Mikroskop, das Leeuwenhoek erst wenige Jahre zuvor gebaut hatte. 

Im Jahr 1708 wird durch Johann Jacob Baier die Fosssilienkunde auf eine wissenschaftliche Basis gestellt: Bis in unsere Tage bleibt das Altdorfer Land ein Eldorado für Fossiliensammler! Die Sammlung Suchopar mit Fossilien aus dem Altdorfer Land genießt einen überregionalen Ruf, vor allem das Saurier-Baby!

1719 veröffentlichte der Mediziner Laurentius Heister seine deutsch geschriebene "Chirurgie". Sie blieb für 100 Jahre das wichtigste Lehrbuch der Chirurgen. In einer Vielzahl von Kupfertafeln werden die unterschiedlichsten Operationen und medizinischen Instrumente gezeigt. Schließlich hat Johann Heinrich Schulze 1726 im chemischen Labor der Universität die Lichtempfindlichkeit der Silberkristalle entdeckt und damit die Voraussetzung der Photographie geschaffen. 

Nach dem Gang durch das Museum kann sich der Besucher im idyllischen Hof erholen, wo im kleinen Rahmen der ehemalige botanische Garten der Aldorfina neu angelegt wurde. 
 

Das UNIVERSITÄTS-MUSEUM befindet sich in der Neubaugasse 5

Tel. 09187 / 80 71 00 und 95  45 50
Fax 09187 /  80 72 90 und 80 73 89 

Öffnungszeiten:

Samstag/Sonntag    14-17 Uhr

und nach Vereinbarung